Philippsburg (Kreis Karlsruhe)
Die Beteiligung an der Auftaktkundgebung am gestrigen Sonntag übertraf alle Erwartungen.
An der Auftaktkundgebung und Demonstration am Sonntag Nachmittag beteiligten sich rund 800
Menschen. Aus dem Wendland, aus Frankreich, aus Hessen und allen Teilen Baden-Württembergs
waren die Menschen in zum Teil überfüllten Zügen angereist. Petrus meinte es gut und
empfing die Atomkraft-Gegner mit strahlendem Sonnenschein, blauem Himmel und Schäfchenwolken.
Allein das am Horizont strahlende AKW, dessen Kühltürme alles überragen und die auch vom Marktplatz in Phillipsburg
aus zu sehen sind, trübte das Bild.
Polizei und Bundesgrenzschutz beobachteten die von der südwestdeutschen
Anti-Atom-Initiativen organisierte Kundgebung und kontrollierten auf den
Zufahrtswegen zahlreiche Fahrzeuge. Ein Polizeisprecher sagte, es habe
keine Festnahmen gegeben; jedoch seien diverse Werkzeuge und auch
Zementsäcke beschlagnahmt worden.
Nachdem polizeiliche Schwierigkeiten wegen der fahrbaren Bühne den Anfang kürzfristig verzögert
hatten, nahm alles einen friedlichen Verlauf. Für die französischen TeilnehmerInnen wurden
alle Redebeiträge zweisprachig vorgetragen.
Negative Zwischgenfälle wurden nicht bekannt.
Ins Camp begaben sich rund 150 Menschen und die Lage war am Sonntag abend ruhig.
Das Camp befindet sich in Oberhausen, Ortsausgang Richtung Waghäusel auf
einer Wiese (ca. 4 km vom AKW).
Der Infobus am Bahnhof Philippsburg ist jetzt rund um die Uhr besetzt.
Derweil läuft der Countdown für den ersten Atommülltransport aus einem
deutschen Kernkraftwerk seit drei Jahren. Am Dienstagnachmittag (10.
April) sollen von Philippsburg drei Atommüllbehälter in die französische
WAA La Hague rollen. Der Transport, der wegen des
Eisenbahnerstreiks in Frankreich auf der Kippe stand, soll nun doch
planmäßig stattfinden. In Philippsburg stehen ein
Atommüllbehälter vom Typ TN 13 mit 12 abgebrannten Brennelementen sowie
zwei TN 17 mit je 17 Brennelementen zum Transport bereit. Im Gegensatz zu
Castoren haben die TN-Behälter eine stachelige Oberfläche, um die Wärme
abzuführen. Sie sollen am frühen Dienstagabend in Wörth (Rheinland-Pfalz)
mit Transporten aus dem bayerischen Grafenrheinfeld und dem hessischen
Biblis zusammengekoppelt und nach Frankreich geschickt werden. Insgesamt
soll es sich dann um fünf Atommüll-Behälter handeln. Auch wenn die Bezeichnung
strenggenommen nicht zutifft, wird in den Medien und von Seiten der AKW-Gegner
von "CASTOR"-Transporten geredet, da sich diese Bezeichnung als Synonym
für Atommüll-Transporte durchgesetzt hat.
Greenpeace spricht
von 30 Tonnen hochradioaktiver Abfälle, die in den fünf Behältern enthalten seien. Ende April soll ein weiterer
Transport aus Neckarwestheim (Kreis Heilbronn) ins britische Sellafield
gehen.
Greenpeace kritisierte die Transporte: "Die Bundesregierung behandelt
Frankreich weiter als Atomklo Deutschlands".
Unterdessen bereitet sich in Rheinland-Pfalz ein Großaufgebot von 2.000
Polizei- und Bundesgrenzschutzbeamten (BGS) auf den Einsatz vor. In
Baden- Württemberg wird mit einem ähnlichen Aufgebot gerechnet. Genauere
Informationen will die Polizei am heutigen Montag geben.
Ute Daniels