29.07.2009

Tierversuche blockieren
wissenschaftlichen Fortschritt

Wissenschaftsmagazin 'nature' publiziert kritischen Artikel

Tierversuchen sind wenig aussagekräftig, wenn es um die Verträglichkeit von Medikamenten für den Menschen geht. Dies ist eine der Kernaussagen eines Artikels des Pharmakologen und Toxikologen Prof. Dr. Thomas Hartung in dem international renommierten Wissenschaftsmagazin 'nature'.

Hartung, Professor an der Universität Konstanz, führt in dem in der aktuellen Ausgabe von 'nature' aus, daß rund 60 Prozent der Substanzen, die in Tierversuchen als giftig eingestuft werden, für den Menschen unschädlich sind. Bevor Substanzen wie Chemikalien oder Medikamente auf den Markt kommen, müssen sie auf für den Menschen schädliche Wirkungen getestet werden. Dies erfolgt entsprechend überkommener Vorschriften in der Regel in Tierversuchen. Und obwohl Fortschritte im Bereich alternativer Test-Verfahren zu verzeichnen sind, steigt die Zahl der Tierversuche in Deutschland weiter an. 2007 wurden allein 2,6 Millionen Wirbeltiere für Versuche verwendet.

Laut Hartung lassen sich die Ergebnisse aus Tierversuchen nur schlecht auf den Menschen übertragen. Nicht selten würden daher Medikamente und Chemikalien nicht zugelassen, obwohl sie vom Menschen problemlos vertragen würden. Beispielsweise sind viele neuartige Wirkstoffe wie Proteine und Antikörper genau auf den Menschen zugeschnitten und können demzufolge nicht die gewünschte Wirkung im Tierversuch zeigen. Hartung bringt die komplizierten Zusammenhänge auf die eingängige Formel, der Menschen sei schließlich keine 70-Kilogramm-Ratte. Menschen nähmen Substanzen anders als andere Arten auf, der Stoffwechsel unterscheide sich von den meisten Tieratren, Menschen lebten länger und seien einer Vielzahl von anderer Umweltfaktoren ausgesetzt.

"Daß uns Medikamente vorenthalten werden, weil sie im Tierversuch versagt haben, ist nicht nur niederschmetternd für Kranke, sondern ein Skandal", ergänzt Dr. Kurt Simons, Vorsitzender des Bundesverbandes Menschen für Tierrechte. "Wahrscheinlich wären viele Krankheiten heute schon besser behandelbar."

Als Ausweg fordert Hartung neue und flexiblere Teststrategien, bei welchen die Möglichkeiten der modernen Naturwissenschaften ausgeschöpft und auf menschlichen Zellen basierende Testmethoden eingesetzt werden, um realitätsnähere Ergebnisse zu erhalten. Dies würde Tieren und Menschen zugutekommen.

Referenz:
Hartung, Thomas: Toxicology for the twenty-first century, nature,
Vol 460, S. 208ff.

 

REGENBOGEN NACHRICHTEN

 

neuronales Netzwerk