6.06.2003

Gen-Pflanzen:
Moratorium in der Schweiz verlängert

Das europäische de-facto-Moratorium gegen die Einfuhr und den Anbau gentechnisch veränderter Organismen (GVO) scheint Bestand zu haben. Anfang Mai votierte der Schweizer Nationalrat in einer Sondersession mit 83 zu 78 Stimmen für die Verlängerung des Moratoriums bis 2009. Im Gentech- nologiegesetz hatte das Schweizer Parlament die entscheidende Frage kurz zuvor offen gelassen und so hatten die Gen-Konzerne bereits auf einen Durchbruch gehofft.

Bisher versuchen lediglich die spanische und die "rot-grüne" deutsche Regierung dieses Moratorium mit der Einführung einer Kennzeichnungspflicht für Nahrungsmittel mit einem GVO-Anteil von mehr als 0,9 Prozent zu kippen. US-amerikanische Emissäre bearbeiten zur Zeit mit aller Macht die griechische Regierung, sich ebenfalls auf das Trojanische Pferd einer Genfood-Kennzeichnung einzulassen. US-amerikanische Agro-Konzerne drängen mit ihren GVO-Züchtungen auf den europäischen Markt, da sie in diesen Bereich Milliarden investiert haben und ihnen der Konkurs droht, falls der europäische Markt auf Dauer für Gen-Pflanzen verschlossen bleibt.

Erst kürzlich hat der US-Kongress ein AIDS-Hilfsprogramm für Afrika in Höhe von 15 Milliarden Dollar an die Bedingung geknüpft, daß die Empfängerländer sich bereit erklären, Lebensmittellieferungen mit gentechnisch veränderten Nahrungsmitteln zu akzeptieren. Eine solche Bedingung hätte keine rechtliche Basis, eignet sich aber als Druckmittel gegen verarmte Staaten. Dieses Vorgehen hat der Österreichische Umwelt- und Landwirtschaftsminister Josef Pröll öffentlich angeprangert und gemutmaßt, daß die Agrar-Märkte jetzt "mit der Brechstange erschlossen werden sollen, nachdem die USA Milliarden in die Entwicklung der Gentechnik gesteckt" hätten.

Doch kritische Stimmen kommen inzwischen auch vermehrt aus den USA. Eine aktuelle Studie belegt, daß bereits jetzt 8 Prozent der Bio-Bauern in den USA zusätzliche Kosten oder Schäden als direkte Folge der "grünen" Gentechnik (Grüne Gentechnik ist die offizielle Bezeichnung für Agro-Gentechnik) zu verzeichnen haben. In Großbritannien befürchtet Umweltminister Michael Meacher eine Bedrohung des angestrebten Wachstums der Biolandwirtschaft durch die zu befürchtende GVO-Kontaminierung per Auswilderung und Pollenflug. In Deutschland wurde eine entsprechende Studie (siehe auch unser Artikel) von Öko-Institut, Forschungsinstitut für biologischen Landbau Berlin u.a. im September 2002 vorgelegt, die allerdings auffallend wenig Verbreitung findet. Künast und Trittin halten sich krampfhaft Augen und Ohren zu.

Eine Gruppe prominenter britischer Wissenschaftler hat für einen internationalen Aufruf gegen die "grüne" Gentechnik unter Kollegen bereits 585 UnterzeichnerInnen aus 72 Ländern mobilisieren können.

 

Petra Willaredt

 

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