6.06.2019

Neues Symptom bei Wald-AIDS:
Wipfel-Bruch

Fruktifikation bei Fichte - Foto: analogicus - Creative-Commons-Lizenz CC0
Furtwangen (LIZ). Ein großer Teil der Fichten in den Höhenlagen des Schwarzwaldes hat ihre Spitzen verloren. Die Baumwipfel sind unter der Last einer übergroßen Zahl von Zapfen abgebrochen. Das Phänomen ist vergleichbar mit den seit 19 Jahren gehäuft auftretenden "Mastjahren" der Buche. Es handelt sich dabei um eine evolutionär angelegte Strategie, um das Überleben der Art langfristig zu sichern.

In den Nachrichten der Mainstream-Medien wird die Ursache von Wald-AIDS, der hauptsächlich von der industriellen Landwirtschaft ausgehende Schadstoff-Eintrag, ausgeblendet. Forstwissen­schaftlerInnen beobachten schon seit dem Jahr 2000 gehäuft auftretende "Mastjahre" der Buche. In einer Art "letztem Aufbäumen" produzieren die Buchen eine extreme Masse an Bucheckern, um das Überleben der Art langfristig zu sichern. Die Substanz, die für die Produktion der Frucht aufgebracht wird, fehlt den Buchen dann für die Ausbildung der Blätter. Die Überlebenschance der so geschwächten Bäume sinkt dadurch dramatisch. Nicht die sogenannte Fruktifikation ist ursächlich für die Immunschwäche der Buchen, sondern umgekehrt: Die Schadstoff-Emissionen führen zur Immunschwäche und diese ist wiederum die Ursache für die evolutionär angelegte Strategie der Buchen, alle restliche Kraft in die Bucheckern zu stecken.

Die durch Luftschadstoffe verursachte Immunschwäche des Waldes macht ihn sowohl anfälliger für Insekten wie den Borkenkäfer und den Buchenspringrüssler, als auch für Pilze (Eschensterben) und für den Stress infolge der klimatischen Veränderungen. Anders als in den 1980er-Jahren stammen heute über 80 Prozent der Schadstoff-Emissionen - Stickoxide und Ammoniak - aus der industriellen Landwirtschaft, der Rest vor allem vom Autoverkehr. Diese Schadstoffe sind ursächlich für den Zustand des Waldes und nicht etwa - wie von Regierungsseite und in den Mainstream-Medien verbreitet wird - der "Klimawandel". Gesunde Wälder könnten den klimatischen Veränderungen - zumindest bis zu einer Erhöhung der Durchschnittstemperatur um 1,5 Grad - standhalten.

Ursächlich für die nun häufiger zu beobachtenden Wipfel-Brüche bei Fichten ist auch keineswegs die Schneelast . Ohne die außergewöhnliche Fruchtbildung - im wissenschaftlichen Jargon: "Fruktifikation" - könnten die Fichten evolutionär bedingt enormen Schneelasten standhalten. Für den seit den 1980er-Jahren unverändert üblen Zustand der deutschen Wälder sind die Schadstoffe ursächlich. Alles andere - also auch der Stress durch Trockenjahre und die vermehrte Anfälligkeit für Schadinsekten - sind Folgewirkungen.

In den vergangenen Jahrzehnten wurde von Seiten der Parteien-Politik nichts zur Rettung der Wälder unternommen. Als Symptom-Bekämpfung werden die Bäume immer jünger gefällt. Während etwa Eichen 850 Jahre alt werden können, Buchen gut und gerne 250 Jahre oder Fichten etwa 300 Jahre, beträgt das durchschnittliche Alter der Bäume in Deutschlands Wäldern nur mehr 80 Jahre. Wurden in den 1990er-Jahren noch jährlich 40 Millionen Kubikmeter Holz gefällt, stieg diese Rate laut den offiziellen Statistiken auf mehr als 50 Millionen Kubikmeter pro Jahr - bei unveränderter Waldfläche.

Offenbar hat diese Symptom-Bekämpfung in den vergangenen Jahren noch stark zugenommen. Dies zeigt sich indirekt an einem enormen Preisverfall auf dem Holz-Markt. Vermehrt wird Holz aus Europa nach China exportiert, obwohl die Erlöse kaum mehr die Kosten für Fällungen und Transport decken. So fiel etwa der Preis für Profilspanholz von 100 Euro pro Kubikmeter auf rund 40 Euro pro Kubikmeter.

Trotz der niedrigen Preise muß das Holz so schnell wie möglich aus den Wäldern abgeräumt werden, denn es droht eine gigantische Invasion durch Schadinsekten wie Borkenkäfer, Kupferstecher und Buchenspringrüssler. Den Insekten ist kein Vorwurf zu machen, denn sie erfüllen ihre evolutionär vorgesehene Funktion als Gesundheitspolizei. Die Folge einer abzusehenden gigantischen Insekten-Invasion aber könnte am Ende sein, daß selbst im 2014 gegründeten Mini-Nationalpark im Nordschwarzwald Pestizide eingesetzt werden, um einen Kahlfraß abzuwenden.

 

 

Anmerkungen

Siehe auch unsere Artikel:

      3 Prozent Naturwald in Deutschland
      BUND: "Armutszeugnis" (4.04.19)

      50.000 Menschen bei Demo am Hambacher Forst
      Der Beitrag der Pseudo-Grünen (6.10.18)

      Waldzerstörung in Polen gestoppt
      EUGH erläßt Verfügung (21.11.17)

      70 Fußballfelder Urwald pro Tag
      Die Umwelt-Katastrophe in Europa (14.10.17)

      Wald-AIDS in Ba-Wü
      Weiter zwischen Leben und Tod (10.12.15)

      Wald-AIDS 2014
      Zustand zwischen Leben und Tod (11.02.15)

      Wald-AIDS in Baden-Württemberg
      Buchen besonders stark geschädigt (4.12.14)

      Buschbeller Wald bei Köln bedroht
      Unsinniger Sandabbau (21.07.14)

      Wald-AIDS 2013
      Zustand schlechter - nicht besser (10.03.14)

      Nationalpark im Schwarzwald kommt
      Kleiner Fortschritt in Baden-Württemberg (28.11.13)

      Wald zu 98 Prozent Rohstofflieferant
      Nur 2 Prozent Naturwald dienen als Alibi (15.10.13)

      Dem deutschen Wald geht es
      schlechter als in den 1980er-Jahren (4.02.13)

      Wald-AIDS greift um sich
      Zustand der Buchen auf historischem Tiefpunkt (2.02.12)

      Merkel degradiert Wald zum Rohstofflieferanten
      Wald-AIDS in den Medien nahezu vergessen (21.09.11)

      Giftige Grünalgen an der bretonischen Küste
      Sarkozy: "Industrielle Landwirtschaft unschuldig" (29.07.11)

      Keine Entwarnung bei Wald-AIDS
      Zustand kaum verändert (1.02.11)

      Wald-AIDS in Baden-Württemberg
      Schäden innerhalb der Schwankungsbreite
      Zustand der Eichen nach wie vor "alarmierend" (27.11.10)

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      Für eine Agrar-Wende (23.11.10)

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      und wenig Promille (18.08.10)

      Globale Waldvernichtung:
      13 Millionen Hektar pro Jahr (26.03.10)

      Wald-AIDS weiter virulent
      Aigner veröffentlicht "Waldzustandsbericht 2009" (22.01.10)

      Wald-AIDS in Baden-Württemberg:
      Oettinger legt desaströsen "Waldzustandsbericht" vor
      Haupt-Verursacher Massentierhaltung weiter verleugnet (1.12.09)

      Baden-Württemberg: Wald liefert 37 Prozent weniger Gewinn
      Wald-AIDS, Nachwirkungen von Sturm Lothar
      und Klimawandel spürbar (21.08.09)

      Trotz Wald-AIDS:
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      "Waldzustandsbericht" 2008 veröffentlicht
      Wald-AIDS verschlimmert sich schleichend (21.02.09)

      Wald-AIDS auch in den USA
      Sterberate in 20 Jahren verdoppelt (24.01.09)

      Wald-AIDS:
      Elende Zustände in Baden-Württemberg (18.11.08)

      Wald-AIDS wird beschwiegen
      Mainstream-Medien leugnen weiterin Hauptverursacher (19.03.08)

      Wald-AIDS im Jahr 2007
      und das Elend der Politik (30.01.08)

      Wald-AIDS in Baden-Württemberg
      Nur drei Jahre seit 1983 waren schlimmer... (24.11.07)

      Wald-AIDS im Jahr 2006
      Haupverursacher Landwirtschaft (25.01.07)

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