Zuletzt hatten wir über die Verwicklung der deutschen Papierindustrie in die Zerstörung
kanadischer Urwälder am 12.04.03 berichtet. Kurz darauf gab unser
Artikel 'Krieg gegen die Wälder' am 1.05.03 einen Überblick über den
aktuellen Stand der Regenwald-Zerstörung in Afrika, im Amazonas- Gebiet und in Tasmanien, den wir
bereits am 3.05.03 durch einen Bericht über die Zerstörung der argentinischen
Andenwälder ergänzen mußten. Über die deutsche Beteiligung
an der Regenwald-Zerstörung in Liberia durch ein niedersächsisches
Sägewerk berichteten wir am 4.06.03. .
Nun liegt schon wieder ein Bericht über die Beteiligung deutscher Firmen an der Regenwald-Zerstörung in
Indonesien vor. Mehr als 70 Prozent des ais Indonesien stammenden Holzes wird zudem illegal geschlagen.
UmweltschützerInnen hatten sich auf die Suche nach illegalem Sperrholz aus Indonesien gemacht und wurden
ohne lange Suche in zwei Lagerhallen in Bremen und Bremerhaven fündig. Die eher als konservativ geltende
Umweltschutzorganisation WWF kann belegen, daß die beiden Holzhandelsunternehmen Cordes und Plyquet
aus Bremerhaven mit Sperrholz des nachweislich illegal operierenden indonesischen Holzlieferanten PT Asia
Forestama Raya (PTAFR) handeln. PTAFR kauft illegal geschlagenes Holz aus Naturschutzgebieten auf
Sumatra, unter anderem aus dem Tesso Nilo-Regenwald, einem der letzten Rückzugsgebiete für die vom
Aussterben bedrohten Sumatra-Elefanten.
Der WWF warnt davor, daß die letzten Tiefland-Regenwälder auf der Insel Sumatra bis zum Jahr 2005 verschwunden
sein werden, wenn der illegale Holzeinschlag weiter so rasch voranschreitet wie bisher. Die Basis für die Recherche
des WWF Deutschland bildete eine aktuelle Studie der niederländischen Umweltorganisation 'Milieudefensie',
die mit Hilfe des WWF erstellt wurde. In dieser Studie wiesen die UmweltschützerInnen nach, daß sich die zwei
größten niederländischen Holzhandelsunternehmen von Sperrholzproduzenten aus Indonesien beliefern lassen,
die große Mengen illegales Holz beziehen.
Das Holz wird unter Verletzung der indonesischen Gesetze geschlagen, sogar Naturschutzgebiete mit absolutem
Einschlagsverbot sind nicht vor den Holzfällern sicher. "Wir wollten nur an wenigen Orten überprüfen, ob wir auch in
Deutschland illegales Holz aus Indonesien finden. Daß wir tatsächlich an allen Orten, an denen wir nachgesehen
haben, illegales Holz aufspüren konnten, kann kein Zufall sein. Der WWF geht deshalb von gewaltigen Dimensionen
des illegalen Holzhandels in Deutschland aus", empört sich Martin Geiger, Tropenwaldexperte des WWF.
Deutschland ist nach Großbritannien der zweitgrößte
europäische Importeur von Sperrholz aus Indonesien. Es müßte allmählich wenigstens unter UmweltschützerInnen
klar werden, daß der Raubbau an den Regenwäldern nur gestoppt werden kann, wenn die Einfuhr von Tropenhölzern
rigoros unterbunden wird. Auch der Abschuß der letzten Elefanten ließ sich erst dann aufhalten, als der Handel mit
Elfenbein international geächtet wurde.
Daß auch das FSC-Siegel, das ungeachtet aller schlechten Erfahrungen vom WWF und anderen namhaften
Umweltorganisationen weiterhin propagiert wird, keinen wirksamen Schutz bietet, ist offensichtlich. Alle Argumente
für eine angeblich nachhaltige Nutzung der Regenwälder sind durch die Praxis längst widerlegt (siehe auch unser
Artikel: 'Zertifizierte Tropenhölzer...'). Mit Appellen an die Politik und an die
Konzerne hat sich noch nie etwas zum Besseren verändern lassen. Nur durch eine breite Kampagne, die
international die Nutzung von Tropenhölzern ächtet, kann wenigstens der Rest der Urwälder und Regenwälder
vor der Profitgier derer gerettet werden, die sonst immer ein Schlupfloch finden, um ihr Zerstörungswerk fortzusetzen.
Adriana Ascoli